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Interview mit Aba Aziz Makaja

Makaja ist ein weltweit bekannter und geachteter Tantra-Meister und einer der Inspiratoren unseres Instituts. Seine Gesellschaft Komaja steht für die Integration verschiedener spiritueller Formen: Yoga, Tantra und christliche Mystik in einen zeitgemäßen spirituellen Weg, der auch den Versuchungen der modernen Gesellschaft standhält.

Wir freuen uns sehr, dass er nach Berlin kommt, um im Rahmen unseres Instituts einen Vortrag (Mi. 19.11., 20.00 im Macoweda-Institut, Gormannstr. 24, Berlin-Mitte) und ein Seminar zu geben. Im Seminar, das vom 20.-23.11. im ZEGG stattfindet, wird Makaja die Grundzüge seiner Arbeit vorstellen.

Im September hatte ich Gelegenheit, Makaja zu interviewen. Ich denke, dass dabei einige sehr interessante Fragen angerissen wurden, und ihr Gelegenheit habt, Makajas Ansichten hier besser kennenzulernen.

Makaja, was bedeutet es für dich, ein erleuchtetes Leben zu führen?

Erleuchtung ist nur noch eine Illusion mehr, genauso wie das Gebären einer Frau: für Unaufmerksame ist es ein Wunder, für Aufmerksame ist es eine Frucht, die sich langsam durch neun Monate entwickelt hat und sich auch weiter und weiter entwickeln wird. So geht es eigentlich um einen Prozess des Sich-Erleuchtens.

Doch grundsätzlich ist das erleuchtete Bewusstsein – und damit auch Leben – charakterisiert durch die Nicht-Identifikation mit der eigenen Körperlichkeit, mit seinen Gefühlen und Gedanken. Der Fokus des Bewusstseins verlagert sich bei solch einer Person von den drei erwähnten niederen Schichten in den tieferen Kern des Wesens.

Wie war dein spiritueller Werdegang?

Als Kind war ich absolut verzaubert von dem grossen, alles sowie auch mich durchdringenden GEIST. Später, im katholischen Religionsunterricht lernte ich seinen Namen: GOTT. Leider trennten mich die materialistische Umgebung, die Werte der sozialistischen Gesellschaft und sogar der selbige katholische Unterricht von dem GROSSEN GEIST. Ich wurde ein vorzüglicher Schüler, Sportler, der Musterjunge aus der Nachbarschaft etc.

Mit 18 Jahren, enttäuscht, ausgeleert, befreit von den Trieben der Mehrheit und vom Karrierismus, sehnte ich mich wieder nach der Umarmung des GROSSEN GEISTES. Sechs Jahre später begann sich um mich die Gemeinschaft zu bilden.

Du bist Gründer und Guru von Komaja. Wie sieht diese spirituelle Gemeinschaft aus und was sind, in aller Kürze gesagt, die wichtigsten Prinzipien?

Unsere Gemeinschaft ist eine auf Erkenntnis und Selbsterkenntnis basierende geistige Gruppierung, d.h. keine Glaubensgemeinschaft. Komaja ist eine überkonfessionell, offen auch für Atheisten mit einer klaren ethischen Ausrichtung. Wir sind Vegetarier, praktizieren Gewaltlosigkeit bzw. die strahlende Liebe, absolute Ehrlichkeit in sexuellen, Liebes- und Ehebeziehungen. Die Meditation und der sexuelle Akt sind unsere Hauptmittel für die Bewusstseinsentwicklung. Wir legen viel Wert auf die persönliche Ökologie (Verzicht auf Zigaretten, Alkohol, Drogen etc.) als unausweichliche Basis globaler ökologischer Bestrebungen. Ca. 30 bis 40 % unserer Mitglieder leben in dauerhaften polyamorischen eheähnlichen Beziehungen.

Inwiefern unterscheidet sich dein tantrischer Ansatz von anderen Tantra-Methoden, die in Westeuropa gelehrt werden?

Im Unterschied zu allen historisch bekannten tantrischen Schulen und/oder philosophischen Systemen ist unser Tantra das Tantra des Herzens. Die Verliebtheit, (neben der Tadellosigkeit) eine der höchsten göttlichen Tugenden des Menschen, ist die persönliche Religion jedes Menschen. Sie ist auch Mittel zur Veredelung und Vergeistigung unserer triebhaften Natur. Sie ist auch das Hauptmittel für die Erreichung der sexuellen Kraft und Meisterschaft und damit auch der perfekten Gesundheit. Komaja ist also das neue, moderne europäische Tantra, das Tantra für die Menschen der Zukunft.

Der Hauptgrund für die Irrwege, Enttäuschungen und Misserfolge der alten tantrischen Schulen beruht auf der falschen Annahme, dass die einfache Verlängerung des Coitus ohne Orgasmus zur Ekstase bzw. Samadhi führen könne. Entscheidend für den Erfolg jedes tantrischen Trainings jedoch ist zu mindestens 80% die systematische Entwicklung der göttlichen Tugenden wie z.B. Verzückung, Verliebtheit, Vergötterung, etc. sowie die rechte, selbstlose Motivation. Die übrigen 20% machen physische Übungen, technische Hinweise, die bewusste Trennung von Ejakulation und Orgasmus, die Steigerung der orgasmischen Fähigkeit der Frau u.ä. aus.

In Berlin wirst du die Methode der Komaja-Meditation lehren. Was ist das Besondere an dieser Technik?

In Kürze: Komaja ist die Strahlende Liebe Gottes. Diese zu verwirklichen, trotz Fleisch und Hormone, ist das höchste Ziel und gleichzeitig auch das Mittel zur Verwirklichung derselben. Für jene, die meinen, dass sie bisher keine Erfahrungen des Göttlichen gehabt hätten, gilt der folgende Hinweis: Bemühe dich um solch eine strahlende Liebe, wie du sie schon damals erlebt hast, als du in deinem Leben am stärksten verliebt warst! Dabei soll man sich mit Erinnerungen und Vorstellungen helfen. Die Zentren für den Genuss im menschlichen Gehirn unterscheiden nicht zwischen Vorstellungen und physischen Reizen. Bei stärkeren Vorstellungen der Liebeswonnen produzieren diese Zentren vermehrt die sogenannten Glücksdrogen (Endorphine, Dopamine etc.). Durch die Komaja Meditation wird das Gehirn so konditioniert, dass es sogar in Alltagssituationen vermehrt die erwähnten Glücksdrogen produziert. So werden Körper und Seele für die höchste Bewusstseinsmeditation und das Bewusstseinstraining im Allgemeinen vorbereitet.


Im Gegensatz zu vielen anderen Tantra-Meistern engagierst du dich auch gesellschaftlich und plädierst für neue Formen des Zusammenlebens. Wie sieht für dich die Ehe und Familie der Zukunft aus?

Die Liebe der Zukunft ist ohne Zweifel die Mehrliebe – Polyamorie; die Ehe der Zukunft ist die Mehrehe und demzufolge wird die Familie breiter, vielfältiger, interessanter und damit auch dauerhaft – zum Wohl und der Freude unserer Nachkommen. Die Familie der Zukunft ist ohne Zweifel die geistige Familie…

Plädierst du für Zölibat, Monogamie, Polyamorie oder ein freies Sexualleben?

Für verschiedene Phasen der Entwicklung der Psyche bzw. des Geistes können verschiedene Methoden angewendet werden. Jedoch ist die natürlichste und die gesündeste die polyamorische Lebensweise (die sich jedoch wesentlich von der Promiskuität unterscheidet).

Was sind die wichtigsten Ratschläge an Paare, die ihrer Liebesbeziehung Dauer und Tiefe verleihen wollen?

Hier gelten grundsätzlich dieselben Hinweise wie für die Selbstkultivierung und –entwicklung: Wer an sich selbst arbeitet, sich um die Entwicklung der Liebe und des Bewusstseins bemüht, arbeitet damit automatisch auch an seiner Beziehungsfähigkeit. Darüber hinaus gebe ich in meinem Buch Der Erleuchtete Eros und in meinem Polyamorischen Manifest (im Internet auf www.komaja.org) viele konkrete Hinweise, die ich natürlich auch selbst anwende: so habe ich mit meinen fünf Lebenspartnerinnen schon mehr als 80 polyamorische „Ehejahre“ hinter mir.


An welchen Stellen sollte sich unsere Gesellschaft ändern, damit mehr Menschen frei, glücklich und in Harmonie leben können?

Die fünf Schlüssel zum Glück für Mikro- wie auch Makrogesellschaften sind:

1. Eine vegetarische Esskultur als Grundvoraussetzung für friedliches Zusammenleben, allgemeine Gesundheit, globale Ökologie und Gerechtigkeit.

2. Eine wissenschaftlich fundierte, dogmenfreie liebeserotische Erziehung (anstelle der sexuellen Erziehung) und eine daraus hervorgehende überwiegend polyamorische Gesellschaft.

3. Ab dem 16. Lebensjahr: obligatorische Bewusstseinswissenschaft sowie Meditation in allen Schulen. (Der Religionsunterricht soll in die Privatsphäre übergehen.)

4. Stimmrecht ab dem 16. Lebensjahr

5. mehr Gemeinschaftsspiele, Gruppensport und physische Arbeit und weniger Handy-, Computer- und Fernsehabhängigkeit.

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Veröffentlicht unter: Silvio

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