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Jan Saudek – ein tantrischer Künstler?

Hallo ihr Lieben,

hier ist Silvio, zurück aus der Sommerpause!

Ich war lange Jahre ein besonderer Anhänger des tschechischen Fotografen Jan Saudek. Aus rechtlichen Gründen zeige ich hier keine Fotos des Altmeisters, empfehle aber, seine Seite zu besuchen und darin zu schmökern. Saudeks Fotos zeigen immer wieder Akte von Mann, Frau und Kind, meistens vor derselben Kulisse, einer alten Kellerwand. Es sind auch immer wieder dieselben Requisiten, die benutzt werden. Also ist da einerseits die große formale Strnge der Fotografien. Andererseits wird das „Theater des lebens“ auf solche erotische, exzessive und tiefgründige Art dargestellt, dass Saudek für mich den Titel eines tantrschen Künstlers sehr wohl verdient.


Saudek kennt den Menschen und seine Grundthemen von Liebe, Beziehung, Erotik, Lust und Unlust, Überdruß, Todessehnsucht und Lebensgier und lässt in seinen Bildern ein zeitloses Sittenspiel lebendig werden, in denen das ewige Thema Mann und Frau, Liebe und Krieg, Anziehung und Abstoßung, Bindung und Freiheit, stets im Mittelpunkt steht. Dabei können die Bilder auch mal ins Pornographische gehen, auf jeden Fall sind sie nie so ganz „politisch korrekt“, am anderen Ende der Skala gibt es dannFotos von sublimer Schönheit, wenn z.B. eine Babyhand zart von einer bärenstarken Männerfaust umfasst wird.
Saudeks Lebensgeschichte liest sich wie die eines von Lust und Gier Getriebenen, eines exzessiven Künstlernaturells, der nicht den spirituellen Frieden und die Stille gefunden hat, die andere im Tantra suchen. Seine Fotos sind eher offene Fragen, keine spirituellen Antworten. Saudek ist auf der Suche, er ist nicht angekommen, außer jetzt vielleicht in einer Altersmilde und endlich im verdienten Erfolg, dem er jahrelang vergeblich nachgelaufen war.
Gerade deswegen bestechen seine Bilder durch Ehrlichkeit und Radikalität. Vielleicht kein tantrischer Künstler im Wortsinne, aber sehenswert für alle jene, die sich für die ewige Tragikomödie von Mann und Frau begeistern.

Geschrieben von

Veröffentlicht unter: Silvio

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