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Sind wir eher Biotope als Individuen?

In der Bahnhofsbücherei erregte vorgestern ein PM-Artikel mein Aufsehen – Mikroben steuern uns stärker als unsere Gene!


Der Artikel fasst die neueren Erkenntisse der Mikrobiologie zusammen. Ich werde versuchen, das Wesebntliche in Kürze zu sagen, ohne zu langweilen, und ich finde es wirklich unfassbar!
1. Jeder von uns wird von ca. 100 Billionen Bakterien besiedelt.
2. Zusammen bilden sie etwa 2 kg Körpermasse- mehr als unser Gehirn
3. Der größere Teil unserer DNA ist fremdes Erbgut
4. Der Mensch ist also ein Mischwesen verschiedenster Kreaturen – eher ein Garten oder Biotop als ein Inividuum
5. Auf einem Quadratzentimeter der Hand leben 2 Millionen Bakterien (!)
6. Auf eine Körperzelle entfallen im Schnitt zehn Mikroben.
7. Die Bakterien steuern offenbar unser Verhalten und Erleben auf nicht unbeträchtliche Weise

Forscher gehen nun davon aus, dass wir komplexen Lebewesen entstanden sind, indem Bakterienstämme sich zusammenschlossen und in familiärer Weise ihre Gene teilten. Evolutionär etstanden so biotopartige „Superorganismen“, die allen Arten Schutz und Heimat boten.

Was heißt das jetzt für unser Ich, wenn wir den Gedanken mal wirklich zulassen, dass wir eine Art „denkender Garten“ sind? Was bedeutet das für ehrwürdige Konzepte wie das „Autonome Ich“ oder der „Freie Wille“.
Ich sehe da eher die buddhistische Weltsicht bestätigt, die davon ausgeht, dass es so etwas wie ein substanzielles Ich gar nicht gibt, sondern nur nur eine Ansammlung von sich konstant verändernden Einzelteilen. Die Lehre von „Anatta“, dem Nicht-Ich, behauptet, dass jedes Leiden aufhört, wenn wir uns nicht mehr an das anklammern, was wir für uns selbst halten.
Ich finde, diese Theorie erhält in neuester Zeit immer mehr Bestätigung aus der Reihe der Naturwissenschaften.

Nachdenklich-vergnügt,
Silvio

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